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Gesammelte Werke: Die Sprüche

Das Schlaue Buch: Die Geheimnisse des Fähnlein Fieselschweif ...

1 Dies sind die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel. 2 Durch die Sprüche soll der Mensch Weisheit und Selbstbeherrschung lernen, um gute Ratschläge verstehen zu können. 3 Sie helfen dabei, Zurechtweisung anzunehmen und sie einsichtig im Leben umzusetzen und zu tun, was gerecht, recht und aufrichtig ist. 4 Die Sprüche machen die Unerfahrenen klüger und schenken dem, der noch jung ist, Erkenntnis und Besonnenheit. 5 Wer weise ist, höre auf diese Sprüche und gewinne noch an Weisheit hinzu; wer klug ist, suche sich weisen Rat, 6 damit er diese Sprüche, Gleichnisse, weisen Worte und Rätsel verstehen kann. 7 Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Nur Narren verachten Weisheit und Selbstbeherrschung.

Die Bibel – Sprüche 1,1-7

Jede Phase des Lebens hat so ihre Fragen. Junge Menschen fragen nach dem Sinn des Lebens. Erwachsene Menschen fragen nach der Zukunft und wie es weiter geht. Und ältere Menschen stellen sich die Frage, was von ihnen bliebt. Viele große Persönlichkeiten haben sich mit der Frage: „Was bliebt?“ auseinander gesetzt. Jeder hat so seine ganz persönliche Antwort darauf gefunden. Die einen haben Pyramiden gebaut. Die anderen ein Portait anfertigen lassen und hängen jetzt in der Ahnengalerie. Und wieder andere stehen im Park – sehr zur Freude der Tauben. Oft ist von einer Person nur ein bis zwei Sätze bekannt. Napoleon wird mit Waterloo verknüpft. Abraham Lincoln mit dem Kampf gegen die Sklaverei. Madame Curie mit Radioaktivität und Mahatma Gandhi mit dem gewaltfreien Widerstand. Sicher hat die Frage: „Was bleibt“ bzw. „Was möchte ich hinterlassen“ auch Salomo beschäftigt. Er hat sich zu einem Buch entschlossen. Den Sprüchen. Ein Spruch ist laut Wikipedia:

eine kurze einprägsame und sprachliche Form eines Gedankens

https://de.wikipedia.org/wiki/Spruch

Und diese Sprüche beginnen mit einer Einleitung. Zunächst einmal stellt sich der Autor vor „ich bin Salomo“doch dann kommt er relativ schnell zum eigentlichen Sinn seiner Sammlung. Der Mensch soll „Weisheit und Selbstbeherrschung“ lernen. Das sind jetzt erst mal ein paar sperrige Begriffe – finde ich – auch wenn ich die nicht aus der 1812er Luther habe. Auch hier schauen wir mal wieder bei Wikipedia:

Weisheit bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in NaturLeben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit

Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstdisziplin

Also die Fähigkeit Probleme sinnvoll zu lösen und sich darauf konzentrieren zu können. Das ist erst mal schwierig. Denn Probleme haben meist den faden Beigeschmack, dass man es erst hinterher besser weis. Doch darauf zielen die Sprüche ja ab. Es sind gesammelte Werke mit den Erfahrungen anderer und ihrer Lösungsstrategien die für sie in bestimmten Situationen funktioniert haben. Das ist eine schicke Abkürzung, die einem eine Menge Probleme und Fehlentscheidungen ersparen kann. Ganz genauso wie man in der Schule mit Lesen und Schreiben zu lernen beginnt und sich damit die Mühe erspart alle das Wissen das hierzu geführt hat, selbst erarbeiten zu müssen. Es ist also ein nicht unerheblicher Vorteil wenn man vom Leben anderer lernen kann.

Doch nicht jeder gut klingende Ratschlag ist auch ein guter Ratschlag. Es kann durchaus sein, dass etwas kurzfristig sehr gut funktioniert aber langfristig total daneben geht. Beispiel Langstreckenlauf. Sicher können die meisten von uns, die ersten Kilometer auch mit den besten mithalten. Vielleicht sind sogar die Sieger am Anfang eher in der zweiten Reihe unterwegs. Entscheidend ist am Ende wer gewonnen hat und nicht wer nach 2km auf dem ersten Platz war. Man muss also sehr gut zwischen guten Ratschlägen und schlechten Ratschlägen differenzieren können. Das geht – meiner Meinung nach – am besten wenn man viel Erfahrung hat. Dann kann man mit ähnlichen Situationen vergleichen und den Rat auf Plausibilität prüfen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Zurechtweisung – auch wieder ein sperriges Wort das es so gar nicht bei Wikipedia gibt. Was bedeutet das also. Es besteht aus zwei Teilen „Zurecht“ und „Weisung“. Unter Weisung versteht man eine Richtungsangabe z.b. „Den rechten Weg weisen“ oder der „Wegweiser“. Zurecht hat nichts mit Recht bekommen zutun sondern mit „zum rechten“ oder an die richtige Stelle. Wir kennen ja auch „Zurechtlegen“ oder „zurechtbiegen“. Zurechtweisung ist also das „Auf die richtige Stelle bringen“ ähnlich dem „erziehen“. Wobei für meine Begriffe die Zurechtweisung freiwillig passiert. Darum wird auch von „Zurechtweisung annehmen“ gesprochen. Warum tue ich das, warum lasse ich mich von anderen korrigieren – was sicher nicht immer ein besonders toller Prozess ist. Schließlich kann eine Korrektur auch durchaus schmerzlich für das eigene Ego bzw. den eigenen Stolz sein. Salomo ist der Meinung, dass die Hinweise anderer zur Korrektur darum akzeptiert, weil man die gute Absicht dahinter versteht. Damit haben wir auch gleich noch ein zweites wichtiges Kriterium. Korrektur muss eine „gute“ Absicht haben. Viele Menschen korrigieren andere um sich herum um sie zu beherrschen, um Duplikate zu erstellen und um ihre Überzeugung ausleben zu können. Das ist hier nicht gemeint. Gemeint ist Korrektur die dazu führ dass man „gerecht“ und „aufrichtig“ handelt.

Auch das sind wieder zwei Wörter, die man gerne mal erklären darf. Gerecht steckt auch in Gerechtigkeit und kann auch mit Fair übersetzt werden. Es geht also hier erst mal um „Fair Play“ im Leben. Nicht auf kosten Anderer sich einen Vorteil verschaffen. Aufrichtig geht in die gleiche Richtung. Ein anderes Wort dafür ist Ehrlich. Keine falschen Tatsachen vorspielen. Sondern offen, ehrlich und fair miteinander umgehen. Das ist das Ziel der Sprüche.

Allerdings fehlt hierfür noch eine ganz entscheidende Komponente. Nehmen wir z.b. mal Gerechtigkeit. Das hört man heutzutage sehr oft. Meist wird damit Neid kaschiert. „Es ist ungerecht, dass die reichen Sozialleistungen bekommen“ oder „Es ist ungerecht, dass der Sozialstaat für alles aufkommt“. Es braucht also noch einen Maßstab für die Gerechtigkeit. Doch woher nehmen wenn nicht stehlen. Eine Option ist ein Konzens unter Menschen. Alle kommen zusammen und einigen sich auf ein gemeinsames Verständnis von Gerechtigkeit. Schauen wir in die Geschichte der Menschheit hat das schon sehr grausame Ergebnisse hervorgebracht. Darum ist die Grundlage von Salomo die „Ehrfurcht bzw. der Respekt vor Gott“. Denn Gott als der Designer des Lebens und als Repräsentation des Guten definiert die Grundlage von Gerechtigkeit. Nur er hat ausreichend Weisheit und Verständnis um die ideale Gerechtigkeit für alle Menschen zu definieren. Darum ist Gottes Definition die Grundlage und auf dieser Basis entsteht dann ein Setup für das Leben dass es ermöglicht fair und offen mit anderen Umzugehen. Wenn das alle Menschen beherzigen, wäre das ein schwerer Schlag für die gesammte Verschwörungstheorieindustrie und würde ein Leben ermöglichen wo man im Vertrauen und Respekt miteinander umgeht.

Jetzt kann natürlich nicht jeder gleich die ganze Welt ändern, doch man kann bei sich selbst anfangen. Ehrlich zu sein – das heißt nicht immer zu allem etwas zu sagen. Aber wenn man etwas sagt, dann muss das auch so gemeint sein. Fair zu sein, andere Menschen nicht unterschiedlich behandeln weil sie vielleicht sympathisch sind oder weil man sich ihnen überlegen fühlt. Mitgefühl zeigen und sich in den anderen hineinversetzen. All diese Dinge kann jeder mit seinem eigenen Leben anfangen. Und wenn am Ende jeder nur ein einziges Leben – nämlich sein eigenes – verändert hat, dann sind am Ende auch alle verändert. Und über allem das Review bzw. die Retrospektive der Menschen um einen herum, die mit der Absicht ihrem Gegenüber etwas gutes zu tun, auch mal Kritik anbringen dürfen und sollen.