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Das Gleichnis vom reichen Bauern

Da rief einer aus der Menge: »Meister, sag doch meinem Bruder, dass er das väterliche Erbe mit mir teilen soll.« 14 Jesus erwiderte: »Wer hat mich zum Richter über euch gemacht, um in solchen Dingen zu entscheiden?« 15 Und er fuhr fort: »Nehmt euch in Acht! Begehrt nicht das, was ihr nicht habt. Das wahre Leben wird nicht daran gemessen, wie viel wir besitzen.« 16 Und er gab ihnen folgendes Gleichnis: »Ein wohlhabender Mann besaß einen großen Hof mit Äckern, die reiche Ernten brachten, 17 so viel, dass seine Scheunen die Erträge nicht fassen konnten. 18 Da sagte er sich: Ich weiß, was ich mache! Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen. Auf diese Weise habe ich genug Platz, um alles zu lagern. 19 Und dann werde ich mich zurücklehnen und mir sagen: Mein Freund, du hast für Jahre genug eingelagert. Genieße das Leben. Iss, trink und sei fröhlich! 20 Aber Gott sagte zu ihm: Wie dumm von dir! Du wirst noch heute Nacht sterben. Und wer wird dann das alles bekommen? 21 Ihr seht, wie dumm es ist, auf der Erde Reichtümer anzuhäufen und dabei nicht nach Reichtum bei Gott zu fragen.«

Die Bibel – Lukas 12,16-21

Ausgangssituation war ein Streit um ein Erbe. Man sagt ja auch, man kennt die Verwandtschaft, wenn man mit ihnen das Erbe geteilt hat. Da eine dritte Meinung eines unparteiischen hinzuziehen ist ja durchaus etwas Sinnvolles. Doch Jesus stellt klar, dass er nicht als Konkurrenz der lokalen Gerichte unterwegs ist, sondern seine Perspektive eine andere ist. Was erst einmal gemein erscheint, da er sich offensichtlich weigert jemandem zu helfen. Um das zu erklären macht er ein Beispiel.

Wir haben alle die gleichen Wünsche und Bedürfnisse

Das Beispiel beginnt mit einer sehr glücklichen Geschichte. Ein wohlhabender Landwirt ist sehr erfolgreich. Heute könnte man das evtl. einem erfolgreichen Menschen vergleichen. Jemand der aus seinem Leben etwas gemacht hat. Dafür musste er etwas leisten, Verantwortung übernehmen und meist auch viele Überstunden machen um das zu erreichen. Möglicherweise muss die Person sich auch stark einschränken um immer schön fleißig sparen. Der Landwirt hat sicher nicht vom rumsitzen reiche Ernten eingefahren, sondern sicher morgens von früh bis spät gebuckelt bis er es endlich geschafft hat. Das bedeutet erst einmal Verzicht und das fällt einem erst einmal schwer. Darum braucht man dafür eine Motivation. Das ist in dem Fall wohl der Blick in die Zukunft. Nach dem Motto „Wenn ich mich jetzt einschränke, spare und fleißig arbeite habe ich bald genug gesammelt habe, damit ich abgesichert bin.“ Und Sicherheit ist etwas tolles. Es gibt Freiheit und Unabhängigkeit. Wie viele träumen von einem Lottogewinn, damit sie endlich mal etwas tun können, was ihnen Freude macht. Nur das in dem Fall der Erfolg auch wirklich erarbeitet ist. Das also einmal jemand, vor dem man – zumindest als waschechter Schwabe – den Hut ziehen muss und wenn wir ehrlich sind, würden wir auch gerne in die Situation kommen. In der Beziehung sind wir erst mal alle ähnlich bis gleich.

Vorausschauend handeln ist klug

Vorrausschauendes Handeln ist klug. Denn das Gegenteil von Dummheit ist Klugheit. Und Dummheit bedeutet „… die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen beziehungsweise zu lernen“ (wikipedia). Aber in dem Beispiel wird der Bauer als Dumm bezeichnet. Wie passt das zusammen. Es liegt wohl entweder an der Wahrnehmung oder an den daraus gezogenen Schlüssen. Jetzt können wir raten 50:50 Joker oder weiterlesen. Offensichtlich seht hier die Wahrnehmung in der Kritik. Der Mensch hat seine 70-80 Jahre im Blick die er lebt und versucht für sein Leben das beste draus zu machen. Ähnlich wie bei Monopoly so schnell wie möglich möglichst viele Häuser und die Schlossallee damit man ausgesorgt hat. Allerdings hat er Rechnung ohne Wirt gemacht. Denn das Leben besteht nicht nur aus dem Teil 1 hier auf der Erde, sondern noch aus einem Teil 2. Jesus nennt das das „wahre Leben“ oder „echte Leben“. Und hier vorrausschauend zu handeln ist ausgesprochen klug. Aber warum ist das so? Ist es dumm reich, fleißig und erfolgreich zu sein? Nein das ist es nicht, der Reichtum und der Erfolg auf der Erde spielt für Gott gar nicht die entscheidende Rolle. Entscheidend ist für ihn die „richtige“ Perspektive.

Alles eine Frage der Perspektive

Die Perspektive von Gott heißt, dass das Leben eine Serie mit zwei Staffeln ist. Die erste Staffel kennen wir recht gut, das ist unser „daily business“. Unser Leben mit all den schönen und unschönen Seiten. Unsere Familie, Freunde, Geschwister. Die Jugend, das Alter. Die Gesundheit, die Krankheit. Die zweite Staffel ist eine Fortsetzung der ersten Staffel. Das heißt, alles was in der ersten Staffel falsch gelaufen ist, zieht sich auch in die zweite Staffel durch. Eine Fortsetzungsgeschichte. Keine zwei unabhängigen und individuellen Teile. Es ist also nicht das „anhäufen von Reichtümern“, es ist das „nicht nach Gott fragen“ was dumm ist. Es ist dumm nicht daran zu denken, dass es eine zweite Staffel gibt. Es ist dumm, die sozialen Kontakte nur für den eigenen Erfolg zu vernachlässigen. Es ist dumm, sich mit den Geschwistern um das Erbe zu streiten. Es ist dumm neidisch auf den Nachbarn und sein schönes Auto zu schielen. Es ist dumm nicht der Dinge, sondern des Neides wegen. Es ist die falsche Perspektive. Gott möchte nicht, dass wir ständig nur unzufrieden sind – das ist er sogar ausgesprochen empfindlich. Die Israeliten mussten dafür 40 Jahre in der Wüste im Kreis latschen. Gott möchte, dass wir glücklich sind. Und das Glück kommt von Zufriedenheit. Und die Zufriedenheit kommt aus Vertrauen. Ich vertraue Gott und darum bin ich glücklich. Das hängt nicht von äußeren Umständen ab, das funktioniert auch wenn es einem schlecht geht. Weil ich weiß, es kommt noch eine 2. Staffel, eine in der alles besser und anders ist. Eine in der ich mit dem Gott zusammen sein darf, dem ich jetzt mein Vertrauen geschenkt habe. Das ist meine Motivation, um nicht neidisch zu werden. Das ist meine Motivation um nicht unzufrieden zu sein. Das ist meine Motivation auch mal zu verzichten oder die klappe zu halten. Weil ich mein persönliches Leben mit Gott lebe und ich weiß, dass er sich um mich kümmert. Das ich ihm vertrauen kann und ich auch all die schwierigen Zeiten hier akzeptieren kann. Das ich akzeptieren kann, dass mein Körper langsam zerfällt, dass ich irgendwann einmal sterben werde – was sicher kein großer Spaß ist. Weil die Perspektive nicht allein auf mein Leben hier beschränkt ist, sondern die komplette Serie im Blick hat. Durch den Perspektivenwechseln kommt Verantwortung – schließlich bestimmt mein Handeln eine ganze Ewigkeit. Ist es von Vorteil hier fleißig zu sein, nicht für 20 Jahre unbeschwertes Leben sondern für eine unbeschwerte Ewigkeit.

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